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Marianne Ranftl bewegt sich künstlerisch auf dem vermeintlich weiblichen Parkett der Näharbeiten, Dabei sind ihr Nähmaschine, Faden, Stoff und Schere lediglich Mittel zum Zweck, ihre bildnerischen Vorstellungen umzusetzen. Neben Nähbildern und Textilreliefs entstehen seit ein paar Jahren zunehmend auch freiere, raumbezogene Objekte sowie Fadenzeichnungen auf Papier. Ausgangsmaterial sind Stoffe von ganz unterschiedlichen Qualitäten und Muster. Als Trägermaterial für die Objekte dienen Hartschaumplatten, auf die der Stoff aufgenäht wird. In gezeichneten Schablonen vorbereitet wird die Grundform aus der Platte ausgeschnitten und dann mit verschiedenen Stoffen benäht, wobei die Fadenlinien als grafische Elemente eigenständigen Charakter haben. Sie folgen nicht nur den Konturen eines Motivs, sondern werden ebenso als Binnenzeichnungen eingesetzt. Neben Bleistiftzeichnungen und Figurenskizzen bilden Motive aus Modezeitungen und im weitesten Sinne Dinge des Life-Styles das Ideenfundament. Dinge des alltäglichen Lebens, seien es Küchenutensilien, Kleidungsstücke, Modeassessoires, Lebensmittel oder Blumenstücke werden miteinander kombiniert und können in der Regel immer wieder neu zusammengestellt werden. Die einzelnen Reliefs werden von der Künstlerin zu spannungsreichen Wandobjekten arrangiert. Neben dem spielerischen Zuordnen unterschiedlicher Einzelformen auf einer Fläche entstehen auch strengere Reihungen, wie es die Serie der „Fruchtkörper" dokumentiert. Angeregt durch die sachlichen Schwarzweißfotografien von Karl Blossfeldt aus den 1920er-Jahren, die nah aufgenommene Pflanzenteile zeigen, ließ sich die Künstlerin zu eigenen Pflanzenformen inspirieren. Ihre Fruchtkörper verselbstständigen sich zu abstrakten Dingzitaten von großem ästhetischem Reiz.

Die Sachlichkeit des Vorbildes ist im Werk von Marianne Ranftl in einer zeitgenössischen Variante umgesetzt, in der der taktile Reiz von Oberflächen eine andere Dimension hat. In den neuen Bodenarbeiten ordnet die Künstlerin einzelne Objekte zu Installationen und beginnt gleichzeitig den reliefhaften Platten dreidimensionale Objekte aus Stoff gegenüberzustellen. Ob Boden- oder Wandobjekt, Marianne Ranftls Arbeiten wirken eigentümlich präsent. Das mag daran liegen, dass uns ihre Welt nicht fremd und ihre Sprache verständlich ist.

 

Dr. Sabine Heilig, Nördlingen

 

 

 

(…) Das Material Stoff hat sie seither nicht mehr losgelassen. Textiles aller Art, Garne, Wolle, Fäden, Stoffe dienen ihr als bildnerisches Material, das zu unterschiedlichen Bildwerken verarbeitet wird. Aktuell hat sie Fotografien mit Transparentpapieren kombiniert und mit unterschiedlichen Fäden und Stoffen übernäht. „Pflanzenstudien – Dual“, so der Titel dieser neuen Werkgruppe. Sie knüpft darin an ihre Objekt-Serie der „Fruchtkörper“ 

(von 2001) an, die von den sachlich fotografierten Pflanzenteilen von Karl Blossfeld aus den 1920er Jahren inspiriert wurden. In den „Übernähungen“ sind die Fotografien frei überarbeitet worden. Das halbdurchsichtige Transparentpapier wurde teilweise mitvernäht und dient dazu, die Stofflichkeit der Fadenzeichnungen in ihrer Wirkung noch zu unterstützen.

Dr. Sabine Heilig, Nördlingen

 

 

 

(…) Meist sind diese Zitate mit transparenten Folien, Tüll oder dünnem Moirée überzogen; sie sind dem Blick entzogen und rücken in die Nähe von assoziativen Erinnerungen, ja Traumbildern.

 

(…) Ganze Sammlungen von Gebrauchstextilien, die dem häuslichen Bereich entstammen, locken und verführen den Blick.

 

(…) Die auftretenden Musterungen, die Oberflächenstrukturen, Ornamente,  Zeichnungen, Flecken, all die schönen und unschönen Motive – kurz all die Ready-mades sind durch ihre Auswahl und Kombination schon aus ihrem Alltagszusammenhang genommen und einer anderen Ebene zugeführt. Genau hier zerstört Marianne Ranftl den Traum der gestylten Dinge. Und mittels Decollage und neuen Vernähungen entlarvt sie die schöne Suggestion der werbenden Kräfte.“

 

Gérard Krimmel, Stuttgart

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