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Der in München geborene Maler Helmut Ranftl, der in Nördlingen lebt und arbeitet, gehört zu jenen Künstlern, die so sehr von ihrer Arbeit besessen sind, daß ihnen keine Zeit für eigene Werbung bleibt. Zwar ist sein Schaffen schon in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen und durch Kunstpreise gewürdigt worden, aber hausieren geht er mit diesen Erfolgen nicht. Er sucht Bestätigung vor allem in der Vervollkommnung seines Schaffens. Er entläßt ein Werk erst, wenn er sich uneingeschränkt mit ihm identifizieren kann. Dank dieser selbstkritischen Überprüfung scheiden Zufallsergebnisse aus. Helmut Ranftls Bilder sind alle ernsthaft erarbeitet, sind keine spontanen Niederschriften. Ihre reizvolle Optik beziehen sie aus einem spannungsreichen Aufbau, der letztlich aus dem kompositorischen Talent des Künstlers resultiert.

In der Tat gelingt es Helmut Ranftl, nicht unbedingt gängige Bildinhalte so eindringlich zu formulieren, daß sie beim Betrachter Anteilnahme mobilisieren, ohne daß dieser sich auf große Entschlüsselungsversuche einlassen muß. Die törichte Frage "Was-soll-es-bedeuten" stellt sich bei Ranftls Arbeiten gar nicht. In ihnen sind Farbe und Form so erregend in Beziehung gebracht, daß dieses Kraftfeld für die mannigfaltigsten Assoziationen Raum bietet und zum individuellen Seherlebnis wird. 

Helmut Ranftl unterstützt seine malerischen Absichten vielfach durch Einfügung verschiedener Materialien, bedient sich der Collage und anderer Mittel, die die Fläche strukturieren. Bei den Mischtechniken - auf Leinwand oder Holz - kommen zu Tuschen und Acrylfarben noch Bitumen, Gips, Spachtelmasse, Wachs und reliefartige Fundstücke hinzu. Die meisten Bilder werden aus mehreren Schichten gefügt, immer wieder übermalt oder verwischt, da und dort abgeschliffen, Spuren in sie eingegraben oder Untergründe freigelegt. Auf diese Weise geht nicht selten Disparates eine regelrechte Symbiose ein, das farbige Fundament assimiliert die stofflichen Attribute, ja das verwendete Material avanciert sogar zum eigentlichen Bildträger. Durch die eingefügten Versatzstücke erhält die - stets dezent dosierte - Farbe erst ihre Kraft. 

So ist denn Helmut Ranftl ein Maler, der dem Tafelbild vielschichtige Aussagen abringt. Er ist ein ideenreicher Kompositeur, der Beiläufiges meidet und nach den Methoden eines souveränen Baumeisters verfährt. Und wie sicher diese "Gebäude" gefügt sind, wird immer dann deutlich, wenn er tragende Elemente davon herauslöst und als kleine Formen und Zeichen selbständig sprechen läßt. Diese nebeneinander gereihten Partikel vermögen separat überzeugend zu bestehen. Sie sind die unverzichtbaren Bausteine für eine größere Gesamtkomposition, aber doch so autark, daß ihnen die Isolation nichts anhaben kann. 

Da Helmut Ranftl seine Ideen gern farbig oder formal variiert, entstehen immer wieder Gruppen oder Serien. Darüber hinaus lassen sich aus seinem Werk auch gewisse Stimmungsphasen ablesen. Einer mal hellen Palette folgen ein anderes Mal dunklere Töne. Wie er überhaupt das Spannungsfeld zwischen Hell und Dunkel intensivst auslotet. Gegensätzliches in Verbindung zu bringen ist geradezu ein Charakteristikum seiner Arbeit. Farbe und Material, Fläche und Linie, Statik und Bewegung im abwechslungsreichen Kräftespiel in der Waage zu halten, ist die bestimmende Richtschnur seines Schaffensprozesses. 

Womit eigentlich der Beweis geführt wäre, daß Helmut Ranftl, wie eingangs erwähnt, nichts dem Zufall überläßt. Die seinen Bildern innewohnende Energiequelle entspringt vornehmlich geordneten Gedanken, aber das optische Erlebnis ist ein aufrührendes.

 

Robert Prill, Trostberg

 

 

 

(…) In allen Bildern von Helmut Ranftl fallen die spannungsreich verwendeten Mittel auf, seien es starke Hell - Dunkel Kontraste, gegensätzliche Materialien, laute strukturierte und stille ruhige Farbfelder, seien es reliefartige Fundstücke in verschiedenster Zusammensetzung mit Materialien, wie Wachs, Bitumen, Gips und Spachtelmasse, immer bleibt Helmut Ranftl dem kompositorischen Gleichgewicht verpflichtet.

 

(…) Eine Fülle von Zeichen- und Malmitteln, von Kreiden, Tuschen, Acrylfarben verbinden sich mit Papieren, Kartons, Hölzern und vielerlei Objektstücken. Sie werden verspachtelt, geklebt, geritzt, bemalt, verwischt, geschliffen. Untere Ebenen werden hervorgekratzt, wieder überdeckt, anders geformt, bezeichnet, konkretisiert, in andere Zusammenhänge gesetzt, zurückgenommen oder hervorgehoben. Eine Fülle handwerklicher Tätigkeiten gestaltet eine Fülle von Materialien. Oft findet man als Bildmotiv einen banalen, emotionslosen Gegenstand, ein Stück Pappe, Metall, Blech, Holzklötze, Bretter, – eine materielle Realität tritt ins Bild. Gegen diese Bildmitteilung steht die subjektive, individuelle Malweise: rhythmisch strukturierte Pinselstriche, differenzierter Farbauftrag, oft in ausgesuchter Chromatik. Weiche Pinselführung steht oft im Gegensatz zu den aggressiven handwerklichen Vorgehensweisen wie kratzen, schleifen, bürsten.

Ranftls Linie unterstützt meist die Räume im Bild, stellt Beziehungen von vorn nach hinten her, zeichnet einen stützenden Rahmen um ein Objekt, oder balanciert die Bildelemente aus. Oft ist sie der darstellenden Geometrie nahe, in anderen Feldern ist die Linie sich selbst überlassen, im freien Spiel ihre eigene Dynamik auskostend. Mit großer Sorgfalt sucht der Künstler kompositorische Harmonie.

 

(…) Der motivische Wechsel erlaubt weitschwingende Assoziationen, der Rückgriff auf vergangene Architekturen ist vordergründig und, wenn man sich vor dem inneren Auge die Planzeichnungen, Mauerflächen, Holzrelikte und Rundbogenstücke aus den großformatigen Bildern dazu fügt, so ist die Folgerung, hier werden Vergänglichkeiten und Auflösungszustände ins Bild gesetzt, durchaus richtig.

Helmut Ranftl reagiert in seinen Arbeiten auf bestimmte äußere Signale, Signale des Zerfalls, der Auflösung, im weiteren Sinne auf Verfall von Werten, auf Aufgabe von Idealen. Allerdings verleitet ihn dies nicht zu jammervollen Tiraden, er sendet mit seiner innovativen gestalterischen Kraft Zeichen der Neuorientierung, der Neuordnung. Er setzt Vergangenes in neue Zusammenhänge, verbindet alte und zeitgenössische Materialien zu verblüffenden Kontrasten und setzt mit der Benutzung von freien gestischen Akzenten und individuellen Zeichen auf die phantasievolle Auslotung der heutigen materiellen und ideellen Gegebenheiten.

 

Gérard Krimmel, Stuttgart

 

 

 

Herr Helmut Ranftl ist in Schwaben kein Unbekannter. Seit Jahren werden Arbeiten von ihm in wichtigen Ausstellungen der Region, aber auch außerhalb kontinuierlich gezeigt. Vor dem Irseer Preis gingen bereits wichtige Preise der Region an ihn, so in Augsburg, Marktoberdorf und Senden. Im öffentlichen Raum ist er durch Ankäufe präsent. In Irsee selbst waren seine Arbeiten seit Anfang an und trotz wechselnder Jurybesetzung immer wieder unter den ausgestellten Werken.

1995/1996 waren mehrere Arbeiten von ihm in der Irseer Ausstellung "Vier Maler zum Thema Licht" zu sehen. Der damals entstandene Katalog ermöglicht es, die hier gezeigten Arbeiten in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Wie kommt es zu diesem kontinuierlichen Erfolg, den der 1953 in München geborene, in Rosenheim aufgewachsene Oberbayer, der in München von 1974-78 Kunsterziehung studiert und mit dem Staatsexamen abgeschlossen hat,seit Jahrzehnten in Schwaben erringen konnte?

Die Antwort hängt wohl damit zusammen, dass Helmut Ranftl ein Thema verfolgt, das er mit großer Hingabe, Ausdauer, Variationsbreite und Erfindungsreichtum unermüdlich bearbeitet.Dieses Thema ist "die Obsession der Oberfläche". Helmut Ranftl ist von den Flächen seiner Bilder besessen. Nicht Inhalte, das durch die Fläche Gezeigte oder Dargestellte hinter den Bildern interessiert ihn. Diese Flächen haben keine symbolische Bedeutung, verweisen nicht auf ein , unter der Fläche liegendes Anderes. Der Verzicht auf Weiterführendes Analoges verweist den Künstler, wie den Betrachter, ganz auf die zweidimensionale Fläche, die er, wie der Bauer seinen Acker, gewissenhaft bestellt. Von der Ferne betrachtet, erscheinen die Bilder des Künstlers wie Ebenen, die durch verschiedene Farben in Felder geteilt sind, die scharf kontrastieren und spannungsvoll aufeinander bezogene Flächen bilden. Nähert man sich diesen Flächen, erkennt man, dass an manchen Stellen die Grenzen verwischt sind und dass die Flächen Binnenstrukturen zeigen. Geometrisch angeordnete Linien, die manchmal wie in die Zweidimensionalität auseinandergefaltete Hohlkörperflächen erscheinen, reizen unseren Blick zur Gestaltwahrnehmung. Schnell aber merken wir, dass diese Gestalten defizient sind, Schemen, die sich letztlich doch nur als Linien ohne Bedeutung verlieren. Sowenig die Farben letztlich jene psychologischen Valeurs und Stimmungen hergeben, die unsere Gewohnheit ihnen vorschnell verleihen möchte, sowenig halten die geometrischen Linien jene Versprechungen und Andeutungen an körperlicher Dimensionalität und perspektivischer Tiefe, die wir da und dort zu finden meinen. Automatisch treten wir näher und erkennen wie in einem durch Zoom herangeholten Bild, die Oberflächenausschnitte, die plötzlich wie Objektträger unter dem Mikroskop erscheinen. Was sich nun zeigt sind keine monochromen Flächen mehr. Überraschend wird die plane Fläche zum Relief. Wir entdecken erhabene Stellen, die wie Tafelberge oder ausgestanzte Muster aufgewölbter Tapeten in den Raum ragen. Wir sehen ganz unterschiedliche, materielle Qualitäten. Verschiedene Papiersorten liegen neben- und übereinander. An manchen Stellen sind sie abgerissen, geben den Blick auf die unteren Lagen frei. Auf diese Prozedur verweisen die Titel der Werke: "Decollage II" und Decollage III". Wieder anderswo erstrecken sich Sandwüsten: glattgestrichen oder auch vom Spachtel zerfurcht.

Man erinnert sich an Häuserzeilen, in denen ein Haus abgerissen wurde. Die stehen gebliebenen, angrenzenden Brandmauern tragen noch die Reste der Zimmerwände mit ihren unterschiedlichen Wohnspuren aus Fliesen, Tapeten und Farbanstrichen. Plötzlich ist man versucht Wülsten mit den Fingern nachzufahren, die aus Wachs oder Silikon sind und fast organische Qualität gewinnen. Wir sind nun ganz nah an der Oberfläche, die gelegentlich durchlässig schimmert und Darunterliegendes erahnen lässt.

Es ist das Geheimnis von Helmut Ranftls Bildern, dass sie einen zunächst ganz nebenher und unabsichtlich zum Hinsehen einladen und dann aber doch einen Reichtum an Strukturen, Qualitäten und Schichten erschließen, allerdings nur dem, der sich auf eine Meditation des Blickes mit ihnen einlässt.

 

Dr. Rainer Jehl, Irsee

 

 

 

Der Reiz der Oberfläche ist  bei Helmut Ranftl kein Oberflächenreiz. 

Auf den ersten Blick dominieren bei diesen Arbeiten die malerischen Elemente, die warmen Erdfarben, aber auch rot,  blau oder gelb leuchtende Tableaux oder schwarzweiße Winterzeichnungen. Wir sehen chromatisch rot in rot oder blau in blau abgestufte Farbwirkungen. Es fallen auf  die  oft vertikalen Hell-Dunkel-Kontraste der Bilder. Sowie  Kontraste aus Farbflächen und gegenständlichen graphischen Zeichen.

Neben diesen malerischen Elementen animieren die Bildoberflächen von Helmut Ranftl  sofort zu Entdeckungsreisen in eine zerklüftete Landschaft aus vielfältigen Materialien und Strukturen.  Da wird gespachtelt und geritzt, da brechen die gespachtelten Oberflächen auf, legen Schichtungen frei, da sind allerlei Fundstücke aus Holz, Papier, Gummi, Fotografie aufgeklebt und malerisch integriert.  Da gibt es strenge Mauerwerkstrukturen und fröhlich tanzende Ringe, es gibt Flächen wie vergammelte Wände, von denen Schichten von Tapeten abgezogen wurden. Auch das Trägermaterial der Bilder ist vielfältig. Bildkörper aus  Schubladen,  Metallplatten, collagiert und übermalt, Zeichnung und Malerei auf Packpapier oder handgeschöpftem Papier, Zeichenbretter, eine Serie auf schablonenförmigen   Fundstücken aus Holz.

Ranftls Arbeiten sind Collagen aus Materialien und Formen. Die Collage ist bei Helmut Ranftl aber nicht nur eine Form,  sie ist auch ein Inhalt. Denn collagiert, eingebaut werden Versatzstücke der Menschheitskultur, die griechische Vase und Rennaissance-Architektur ebenso wie das triviale Fundstück der Gegenwart, ein scheußlicher Bodenfliesenrest, die Balletttänzerin auf irgendeinem Restaurant- oder Weinetikett, die ornamentalen Tapetenreste der 50er Jahre, Zitate der zeitgenössischen Kunstgeschichte, Fotos von Mauerresten und Emblemen, archäologische Objekte aus dem Heimatmuseum Wertingen in der 5-teiligen Arbeit „Zeitzeichen“. Ranftl findet oder empfindet nach das ganze Sammelsurium unserer Kultur- und Zivilisationsgeschichte.

Man könnte sagen: Da spielt  einer lustvoll virtuos auf der Klaviatur der Postmoderne, in der alles mit allem kompatibel, jeder Stilmischmasch möglich, alles verfügbar und  nach Belieben miteinander zu kombinieren ist. Da zappt einer durch die Kulturgeschichte des Abendlandes  und durch die Alltagswelt von heute  und clickt heraus, was er gerade brauchen kann.  Den Rundbogen und den Schnittmusterbogen,  strenge Geometrie und die Botanik in Form von fast naturalistischen Blättern. Eine Eisenbahnschiene wölbt sich neben geometrischen Studien zu Dreieck und Würfel, wir entdecken die Alessikanne und die antike Vase, das Stück Holz oder Tapete. Alles ist verfügbar, wird eingebaut, recycelt.

Und Ranftl  sagt auch noch frech dazu, dass es ihm nicht um Inhalte in seiner Kunst gehe.

Ranftl kann sich Understatement leisten und die Methode des Sammlers, selbst die Gestik einer sanften Nostalgie, etwa wenn er  italienischen Mauerresten als Zeichen der Vergänglichkeit huldigt. Weil es ihm gelingt, mit großer ästhetischer Sicherheit in der Bildkomposition das Inkommensurable von Formen und Strukturen in einer eigenständigen künstlerischen Handschrift zu amalgamieren. Ballungen sind selten. Mit lockerer Selbstverständlichkeit, formaler Disziplin, ästhetischer Souveränität und hohem malerischen Können bringt er zusammen, was nicht zusammen gehört.

Und das könnte dann doch ein Inhalt der inhaltsfreien Kunst von Helmut Ranftl sein. Der Künstler kann, was der Nichtkünstler in der heutigen, überbordenen Informationsfülle eben leider nicht mehr kann.  Die Spuren des kollektiven Gedächtnisses unserer Kulturgeschichte ebenso wie unseren trivialen Alltagsschrott sich zu eigen zu machen und zu verwandeln in eine  neue Wahrnehmungsqualität und Wertigkeit.  Die künstlerische Individualität Ranftls schafft Harmonie aus einer dissonanten optischen Geräuschkulisse. Die künstlerische Metamorphose in Ranftls Bildkompostionen gibt  dem trivialsten Fundstück  eine neue, ja sogar eine geheimnisvolle Aura. Als wäre der geschmacklose Tapetenrest ein Stück Höhlenmalerei einer vergangenen Kultur. Und damit wird das unscheinbare Fundstück, der Wegwerfrest, liebevoll aufgewertet, das nutzlose Detail erhält  seine Aufmerksamkeit im Kontext eines neuen Ganzen. 

Erklären Jahrgang und Ausbildung diese selbstbewußte Souveränität Ranftls?

Kurz Biografisches: geboren 1953 in München, Abitur in Rosenheim,  Kunststudium an der Uni München, Staatsexamen für Kunsterziehung.

Also ein Spektrum aus Kunstgeschichte, Kunsttheorie, Kunstpraxis und Pädagogik  Helmut Ranftl lebt heute in Nördlingen. Und Helmut Ranftl hat Erfolg mit diesen Bildern von hohem ästhetischen Reiz. Kunstpreise verschiedener Städte. Ausstellungen in ganz Deutschland, Schwerpunkt  Schwaben, Ausstellungen im Echnaton-Museum Kairo und im Kunstmuseum Alexandria, in Udine und in Galerien in Den Haag, Innsbruck, Bern.

Helmut Ranftls Arbeiten sind im Deutschen Bundestag und der Bayerischen Staatsgemäldesammlung und vielen städtischen Kunstsammlungen vertreten und er ist im Kunstmuseum Bilbao unter der Abteilung Schwaben präsent.

Ich verweise auch auf die informative Web-Seite des Künstlers unter ranftl-art.de

Ich gratuliere dem Galeristen Lothar Kurz zu seinem wieder einmal sicheren Gespür für Qualität und das, was zum Stil seines Hauses passt. In der Dependance in der Poppenstraße in der Ingolstädter Innenstadt sind zeitgleich ebenfalls Arbeiten von Helmut Ranftl zu sehen. Ich wünsche dieser Ausstellung viel Erfolg. Und wenn Sie sich für einen Bildkauf entscheiden, machen sie bestimmt keinen Fehler.

 

Dr. Isabella Kreim, Ingolstadt

 

 

 

„Das Material macht sich die Bilder" hat ein Kritiker einmal treffend über die Arbeit von Helmut Ranftl gesagt. Der Künstler bedient sich der unterschiedlichsten Mal- und Zeichenmitteln für die der Begriff „Mischtechnik" nur unzureichend die Fülle der verwendeten Materialien beschreibt. Eine gestische Malweise in Kombination mit einer grafischen Zeichenschrift bilden neben der Collage sogenannter kunstfremder Dinge den Grundstock für seine vielschichtigen Bilder. Helmut Ranftl klebt, schichtet, spachtelt und ritzt in sein Material und kratzt aufgetragene Farb- und Materialschichten wieder weg. Wie ein Archäologe legt er so verborgene Schichten und Strukturen frei und lässt sie wieder zum Vorschein kommen. Ranftls Umgang mit dem Material ist unkonventionell, wenngleich sehr durchdacht und zielgerichtet. Seine Arbeit wird von einer souveränen Beherrschung der Mittel und einem guten Auge für harmonisch-ausgewogene Bildkompositionen geleitet. Zufälle gibt es bei ihm nicht, selbst Fundstücke aus dem Atelier werden ganz bewusst ausgewählt und zugeordnet. Ranftls Bilder heißen „BEFUND", „Schichtung" oder „Bildkörper", es sind formale Beschreibungen, die in ihrer Sachlichkeit an eine wissenschaftliche Betrachtung denken lassen. Künstlerische Themen werden in Variationen immer wieder durchgespielt und formale Bildideen systematisch in Reihungen angelegt. Die kontinuierliche Auseinandersetzung mit Bildserien und -Sequenzen ist daher künstlerisches Konzept.

Helmut Ranftls Bilder besitzen eine klare Komposition. Das kompositorische Gerüst gibt den einzelnen Bildteilen Halt, durch Farb- und Formüberschneidungen wird es wieder aufgelockert. Formübergreifende Elemente, wie zum Beispiel ein Holzstück, können als Verbindungsstück mehrteilige Arbeiten zusammenhalten (aus der Sequenz „BEFUND, erweitert").

Die haptische Qualität der reliefhaften, durch viele Färb- und Materialschichten erzeugten Oberflächen steht im Kontrast zur strengen Geometrie der Bilder, die informellen Gesten präsentieren sich in Gegenüberstellung mit gegenständlichen Formen.

Lyrisch wirken die Wachszeichnungen auf handgeschöpften Hadernpapieren – sie sind ebenfalls in Serien angelegt. Neben farbintensiven Bildern gibt es im Werk von Helmut Ranftl auch solche in zurückhaltenden, erdfarbenen Tönen, die auf seine Auseinandersetzung mit der Landschaft, Architektur und Kultur Italiens zurückzuführen sind. Als Ideensammlung dienen ihm dabei auch Fotografien, deren reale Bildwelten unübersehbare Spuren in seinem Werk hinterlassen.“

 

Dr. Sabine Heilig, Nördlingen

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